Historische Kommission zu Berlin

1. Dezember 2016 — Teilung des Standorts der Historischen Kommission — Bezug von neuen Räumen in der Jägerstraße 22/23 (BBAW)

Die Historische Kommission zu Berlin bezog zum 1. Dezember 2016 ihren neuen (zweiten) Standort im Gebäude der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Sie ist damit sowohl an ihrem traditionellen Standort im Mittelhof in Berlin-Nikolassee als auch in ihrem neuen Domizil am Gendarmenmarkt präsent.

30. November 2016 — Buchpräsentation — 18.30 Uhr — Hoffmann-Saal im Märkischen Museum

Vorgestellt wurde der Band von Wolfgang Radtke, Brandenburg im 19. Jahrhundert (1806/15 bis 1914/18). Die Provinz im Spannungsfeld von Peripherie und Zentrum (Brandenburgische Geschichte in Einzeldarstellungen, Bd. 5), BWV - Berliner Wissenschafts-Verlag. Nähere Informationen zur Reihe finden Sie hier.

Das Programm zur Veranstaltung sowie weitere Informationen finden Sie hier.

Fotos: © Historische Kommission zu Berlin e.V. (Ellen Franke)

4. November 2016 — 3. Nachwuchsworkshop des Netzwerks HiKo_21

Am 4. November 2016 fand im Rahmen des Nachwuchsnetzwerks HiKo_21 ein quellenseitiger Workshop statt - es wurden historische Karten als Quellengattung in den Vordergrund gestellt. Mit dem Titel »Einen Plan haben... Karten als Quellen in der Geschichtswissenschaft« bot die Historische Kommission gemeinsam mit dem Landesarchiv Berlin und dem Geheimen Staatsarchiv PK nicht nur einen Rundgang durch die Kartensammlung des Landesarchivs sowie durch verschiedene Kartentypen an, sondern auch einen methodisch-theoretischen Einführungsvortrag zum sogenannten spatial turn. 

Die Veranstaltung richtete sich in erster Linie an fortgeschrittene Studierende sowie Doktorand*innen der Geschichtswissenschaft, die sich für historische Karten als Quellen interessieren. Vorkenntnisse sind nicht notwendig.

Das Medium Karte als Produkt politischen und verwaltungs-bürokratischen Handelns wurde in historischer Perspektive vorgestellt – vor dem Hintergrund, dass die dargestellten Räume sozial geschaffen und mitnichten statisch waren bzw. sind.

Es war intendiert, den Teilnehmer*innen die »Macht der Karten« (Abstraktion, Missbrauch, Manipulation) in Ansätzen zu vermitteln. Und nicht zuletzt konnten die Teilnehmer*innen in Gruppen erproben, wie Karten gelesen werden, wo ihre Erkenntnispotentiale liegen, aber auch ihre Grenzen gezogen werden müssen. Auf diese Weise wurde jungen Historiker*innen ein interessanter Einstieg in die Welt der historischen Karten gegeben.

Das Programm finden Sie hier.

Die Teilnehmerzahl war auf 35 Personen begrenzt.

21. Oktober 2016 — Vorstandssitzung — 14 Uhr, Vortragssaal im Mittelhof

Der Vorstand der Historischen Kommission traf sich am 21. Oktober 2016, 14 Uhr zur Vorstandssitzung.

14. Oktober 2016 — Gedenktafel-Enthüllung zu Ehren von Emma Ihrer — 16.30 Uhr, Marthastraße 10, 13156 Berlin

Emma Ihrer (1857-1911) war eine Vorkämpferin für die Gleichstellung und Absicherung weiblicher Berufstätigkeit. Ihr Haupttätigkeitsfeld fand sie in gewerkschaftlichen Bestrebungen, daneben unterstützte sie die Parteiarbeit der SPD. Innerhalb der sozialistischen Bewegung trat sie vehement für gleiche Rechte der Frauen sowohl im Privat- als auch im Arbeitsleben ein.

Geboren am 3. Januar 1857 wuchs Emma Ihrer in Glatz in Schlesien auf und absolvierte eine Lehre zur Putzmacherin. Nach der Heirat mit dem Apotheker Emmanuel Ihrer zog sie 1881 nach Berlin, wo sie in ihrem erlernten Beruf tätig war und den Frauen-Hilfsverein für Handarbeiterinnen mitgründete. Obgleich selbst aus bürgerlichen Kreisen stammend, wandelten sich Ihrers politischen Überzeugungen rasch, bald wurde sie in sozialistischen Initiativen tätig. 1885 wurde sie Mitbegründerin und erste Schriftführerin des Vereins zur Wahrung der Interessen der Arbeiterinnen. Kurz darauf zog Ihrer nach Velten bei Oranienburg um, wo ihr Mann eine Apotheke betrieb. Sie engagierte sich beständig weiter in der proletarischen Frauenbewegung, zusammen mit Clara Zetkin war sie 1889 Delegierte zum Internationalen Sozialistenkongreß in Paris. 1890 wurde sie als erste Frau in den Vorstand der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands gewählt, dem sie zwei Jahre lang angehörte. Daneben war sie publizistisch tätig, von 1892 bis 1907 gab sie die Zeitschrift Die Gleichheit. Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen heraus. 1894 kamen die Eheleute Ihrer dem aus politischen Gründen drohenden Entzug der Apotheken-Konzession durch einen Verkauf zuvor und zogen nach Pankow. Am 8. Januar 1911 verstarb Emma Ihrer in Berlin.

Das Programm finden Sie hier.

Fotos: © Historische Kommission zu Berlin e.V. (Ellen Franke) & Landesarchiv Berlin (Thomas Platow)

12. Oktober 2016 — Sitzung des Historischen Beirats

Der Historische Beirat des Regierenden Bürgermeisters tagte am 12. Oktober 2016 in der Humboldt-Universität zu Berlin. Nähere Informationen zum Beirat finden Sie sowohl hier als auch auf der Website der Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten.

11. September 2016 — Tag der offenen Tür

Die Historische Kommission veranstaltete gemeinsam mit dem Zentrum Moderner Orient am 11. September 2016 wieder einen Tag der offenen Tür. Das Programm war vielfältig und thematisierte das weite sowie spannende Feld Migration. Neben wissenschaftlichen Vorträgen und Führungen durch den Mittelhof gab es ein Konzert.

Das Programm finden Sie hier.

Vielen Dank für Ihren Besuch in Nikolassee!

Fotos: © Historische Kommission zu Berlin e.V. (Ellen Franke)

8. September 2016 — Buchpräsentation des Werkes: Baumeister - Ingenieure - Gartenarchitekten — Säulensaal des Berliner Rathauses

Die Historische Kommission zu Berlin e.V., das Landesarchiv Berlin sowie das Landesdenkmalamt Berlin luden ein zur Präsentation des Werkes: Jessica Hänsel/Jörg Haspel/Christiane Salge/Kerstin Wittmann-Englert (Hrsg.): Baumeister - Ingenieure - Gartenarchitekten (Berlinische Lebensbilder, Bd.11), Berlin 2016, Duncker & Humblot. Die Präsentation fand am 8. September 2016 um 17 Uhr im Säulensaal des Berliner Rathauses, Rathausstraße, 10178 Berlin statt.

Nähere Informationen zum Rahmenprogramm finden Sie hier.

Vielen Dank für Ihren Besuch!

Fotos: © Historische Kommission zu Berlin e.V. (Ellen Franke) & Landesarchiv Berlin (Thomas Platow)

22. August 2016 — Gedenktafel-Enthüllung zu Ehren von David Bowie — 11 Uhr, Hauptstraße 155, 10827 Berlin-Schöneberg

Am 8. Januar 1947 im Londoner Stadtteil Brixton als David Robert Jones geboren, stieg der Musiker a.k.a. David Bowie nach 1969 zu einem der einflussreichsten und erfolgreichsten Musiker der vergangenen Jahrzehnte auf. Seinen Durchbruch brachten der Titel Space Oddity und die Kunstfigur Ziggy Stardust. Mit zahlreichen Welthits prägte der Superstar die Popmusik; ca. 140 Millionen verkaufte Platten zeugen von dem enormen Erfolg. Der Sänger, Komponist, Schauspieler, Tänzer und Maler erfand sich in schillernden Rollen immer wieder neu. Von 1976 bis 1978 lebte der Verwandlungskünstler in der Hauptstraße 155 in Berlin-Schöneberg. Hier in der geteilten Stadt gelang ihm nicht nur der Drogenentzug, vielmehr entstanden in den Kreuzberger Hansa Studios die legendären Alben Low und Heroes, die zusammen mit Lodger als Berliner Trilogie in die Musikgeschichte eingingen. Seine Berliner Zeit nannte Bowie eine seiner »überschwänglichsten, kreativsten Phasen meines Lebens«. Mit Heroes schrieb er die heimliche Hymne Berlins.

Zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag – am 10. Januar 2016 – erlag der Ausnahmekünstler einem schweren Krebsleiden. Mit der Gedenktafel ehrt das Land Berlin eine der Legenden der jüngeren Musikgeschichte.

»We can be heroes, just for one day«

Das Programm finden Sie hier.

Fotos: © Historische Kommission zu Berlin e.V. (Ellen Franke) & Landesarchiv Berlin (Thomas Platow)

1. August 2016 — Gedenktafel-Enthüllung zu Ehren von Heinrich Finkelstein — 15 Uhr, Reinickendorfer Straße 61, 13347 Berlin

1865 in Leipzig geboren, studierte er zunächst Geologie in München und wandte sich ab 1888 einem Studium der Medizin in seiner Heimatstadt Leipzig zu. 1892 zum Doktor der Medizin promoviert, war er ab 1894 in der Berliner Charité als Assistent tätig und habilitierte sich 1899 mit einer Arbeit Über Mittelohrentzündung bei Säuglingen. 1918 übernahm er die Leitung des Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhauses als Ärztlicher Direktor und wirkte dort bis zu seiner Emeritierung am 1. März 1933. Heinrich Finkelstein verband in seiner beruflichen Karriere die praktische Tätigkeit als Kinderarzt äußerst erfolgreich mit der wissenschaftlichen Forschung. Unzählige Publikationen entsprangen seiner Feder, darunter das Lehrbuch für Säuglingskrankheiten, das zum Standardwerk wurde und in mehreren Auflagen – auch im Ausland – erschien. Es vermittelte Generationen von Kinderärzten Fachwissen. Als Jude im Kaiserreich sowie in der Weimarer Republik diskriminiert, war ihm die Ernennung zum Ordentlichen Professor verwehrt. Mit dem Beginn der Nazi-Diktatur erschwerte sich auch für Heinrich Finkelstein jegliche Berufsausübung; 1934 wurde ihm die Kassenzulassung entzogen und 1936 die Lehrbefugnis aberkannt. Doch Heinrich Finkelstein hatte sich sowohl in Deutschland als auch im Ausland aufgrund seiner fachlichen Kompetenz großes Ansehen erworben. Bedingt auch durch die ausländischen Karrieren einiger seiner Schüler erhielt er mehrere Einladungen ins Ausland, 1936/37 war er an der University of Chicago zu Gast. 1939 schließlich floh er vor dem Terror der Nationalsozialisten mit seiner Schwester Charlotte nach Chile, wo er im Januar 1942 verstarb. Heinrich Finkelstein war über Deutschland hinaus einer der großen Kinderärzte seiner Zeit und noch nach seinem Tode beeinflussten seine Werke die Kinderheilkunde.

Das Grußwort von Seiten des Landes Berlin sprach Frau Staatssekretärin Hella Dunger-Löper. Die Laudatio hielt Dr. Thomas Lennert.

Das Programm finden Sie hier.

Fotos: © Historische Kommission zu Berlin e.V. (Ellen Franke) & Landesarchiv Berlin (Thomas Platow)

14. Juli 2016 — Gedenktafel-Enthüllung zu Ehren von Margarete & Franz Oppenheim — 16 Uhr, Zum Heckeshorn 38, 14109 Berlin

Das Landhaus Oppenheim, zunächst 1907/08 als Sommerdomizil für die Familie von Franz Oppenheim errichtet, durchlebte eine wechselvolle Geschichte. Es spiegelt pars pro toto die schicksalhaften Wendungen der deutschen Geschichte wider. Der Geheime Regierungsrat Dr.-Ing. h. c. Franz Oppenheim, in der chemischen Industrie u. a. als Generaldirektor der Agfa tätig, erbaute das Landhaus für sich und seine zweite Ehefrau Margarete. Als Architekten verpflichtete er keinen Geringeren als Alfred Messel, den äußerst erfolgreichen und in Berlin sehr produktiven Baumeister, quasi einen der Stararchitekten der Jahrhundertwende. Hier in Wannsee verbrachte die Familie die Sommermonate und genoss abgeschieden vom Großstadttrubel die ländliche Idylle. Margarete Oppenheim erlangte als Kunstsammlerin einen erstklassigen Ruf. Gemeinsam mit dem Kunsthändler Paul Cassirer als Berater trug sie im Landhaus eine bedeutende Sammlung zeitgenössischer Kunst zusammen. Der Schwerpunkt lag hierbei auf Werken des französischen Impressionismus (u. a. van Gogh, Manet und Cézanne). Zugleich wurde das Anwesen eine vitale und beliebte Begegnungsstätte von Künstlern, Galeristen und Wissenschaftlern; Albert Einstein und Max Liebermann gingen hier ein und aus. Kurzum: die Familie führte am Wannsee ein großbürgerliches Leben auf hohem kulturellem und gesellschaftlichem Niveau. Die Malerin Vita Petersen (1915-2011), Oppenheims Enkelin, wuchs hier auf. Nach 1934 verkauften die Erben der Oppenheims, Martha von Simson und Kurt Oppenheim, das Haus samt dem Grundstück, auf dem sich ein ausgedehnter und landschaftlich reizvoll gestalteter Garten erstreckte. Ab 1937 wurden verschiedene NS-Forschungseinrichtungen auf dem Gelände untergebracht, die u. a. den Vernichtungskrieg im Osten »wissenschaftlich« vorbereiteten und legitimierten. Nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergte das unzerstörte Gebäude zunächst ein Reservelazarett. Später wurde das Krankenhaus Wannsee dort betrieben. 25 Jahre lang diente es als Drogentherapiezentrum. Seit 1983 steht das Gebäude unter Denkmalschutz, der Garten hingegen wurde durch mehrstöckige Wohnhäuser weitgehend überbaut. Seit 2008 werden die Räumlichkeiten durch die Internationale Montessorischule und das Montessori-Kinderhaus am Wannsee genutzt.

Mit dieser Gedenktafel ehrt das Land Berlin eine großbürgerliche Familie und deren Landhaus, das in der NS-Zeit von den Nationalsozialisten missbraucht und zweckentfremdet wurde. Wie in der gesamten Stadt zerstörten die Nationalsozialisten auch hier die kulturelle Vielfalt Berlins und zwangen wohlverdiente Mitbürger ins Exil, in den Freitod oder in die Deportation. Die Erben des Bauherrn verließen Deutschland, um der Barbarei zu entfliehen. Die Gedenktafel erinnert an die Glanzzeit des Gebäudes und mahnt die Aufrechterhaltung von kultureller, gesellschaftlicher und religiöser Vielfalt an.

Die Laudatio hielt Dr. Hans-Christian Jasch, Direktor der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz.

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Fotos: © Historische Kommission zu Berlin e.V. (Ellen Franke) & Landesarchiv Berlin (Thomas Platow)

8. Juli 2016 — Vorstandssitzung — 14 Uhr, Brandenburgisches Landeshauptarchiv

Der Vorstand der Historischen Kommission traf sich am 8. Juli 2016, 14 Uhr zur Vorstandssitzung. Die Sitzung fand im Brandenburgischen Landeshauptarchiv statt.

1. Juli 2016 — Gedenktafel-Enthüllung zu Ehren von Ernst Fraenkel — 14 Uhr, Eschwegering 23, 12101 Berlin

Geboren und aufgewachsen in Köln studierte Fraenkel nach dem Einsatz im Ersten Weltkrieg Jura und Geschichte in Frankfurt am Main mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht. 1927 kam er nach Berlin, wo er sich rasch einen Namen als Rechtsanwalt machte und die Arbeiterbewegung als Syndikus des Deutschen Metallarbeiterverbandes unterstützte. Durch die Nationalsozialisten verfolgt, floh Fraenkel 1938 mit seiner Frau nach Chicago. Dort veröffentlichte er 1941 seine wegweisende Studie Der Doppelstaat, eine der ersten Analysen des nationalsozialistischen Staatswesens. In den folgenden Jahren arbeitete er teils als Jurist, teils als Wissenschaftler. 1951 kehrte er, zunächst in amerikanischem Auftrag, nach Berlin zurück. 1953 wurde er als Professor an die Freie Universität berufen. Dort wirkte er viele Jahre am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft und am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien. Für seine herausragenden Verdienste wurden Ernst Fraenkel unter anderem das Große Bundesverdienstkreuz und die Berliner Verdienstmedaille verliehen.

Das Grußwort von Seiten des Landes Berlin sprach der Staatssekretär für Kulturelle Angelegenheiten, Tim Renner und die Laudatio hielt Prof. Dr. Michael Wildt.

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Fotos: © Historische Kommission zu Berlin e.V. (Ellen Franke)

Prof. Dr. Dietrich Kurze verstorben

Wir trauern um

Prof. Dr. Dietrich Kurze

(1. Januar 1928 - 15. Juni 2016)

Die Trauerfeier fand am 23. Juni um 12 Uhr in der Dorfkirche Alt-Schmargendorf, Breite Straße/Ecke Kirchstraße, 14199 Berlin statt.

Wir verlieren mit ihm ein allseits geschätztes, hochverdientes und engagiertes Mitglied. Herr Professor Kurze war mit seinem wissenschaftlichen Werk und dank seiner herausragenden Persönlichkeit eine tragende Säule und ein unverzichtbarer Kollege innerhalb der Kommission. Einen Nachruf finden Sie hier.

2. Juni 2016 — Gedenktafel-Enthüllung zu Ehren von Rahel Hirsch — 17 Uhr, Kurfürstendamm 220, 10719 Berlin

Rahel Hirsch, 1870 in Frankfurt am Main geboren, wuchs in einem intellektuellen, jüdisch orthodox geprägten Elternhaus auf und schlug zunächst die pädagogische Laufbahn ein. Nach dem Abschluss der Lehrerinnenausbildung in Wiesbaden 1889 war sie knapp zehn Jahre in der von ihrem Vater geleiteten Höheren Töchterschule als Pädagogin tätig, bevor sie 1898 – 28jährig – ihr Medizinstudium in Zürich aufnahm. Das Studienverbot für Frauen in Deutschland zwang sie dazu, die Schweiz als Studienort zu wählen. 1903 schloss sie ihr Medizinstudium in Straßburg mit der Promotion ab, um noch im gleichen Jahr an die Charité, der deutschlandweit renommiertesten Klinik und Forschungsstätte, zu gehen. Dort wirkte sie 16 Jahre in einem männlich dominierten, zuweilen militärisch geprägten Umfeld. 1908 übernahm sie eine leitende Position. Sie veröffentlichte zahlreiche Aufsätze zu verschiedenen Forschungsfeldern der Inneren Medizin. Ihre anerkennenswerten wissenschaftlichen Leistungen führten dazu, dass ihr 1913 als erste Medizinerin in Preußen der Professorentitel verliehen wurde. Eine Lehrbefugnis war damit indes nicht verbunden. 1919 schied sie aus der Charité aus. Fortan betrieb sie in Charlottenburg eine eigene Praxis. Zu dieser Zeit hatte sie sich auf die moderne Röntgentechnologie spezialisiert.

Von einem Unbekannten im Oktober 1938 gewarnt, verließ sie über Nacht Berlin und konnte somit sehr knapp ihrer Deportation entgehen. In London kam sie zunächst bei ihrer Schwester unter, konnte jedoch beruflich nicht mehr Fuß fassen. Sie hätte – mittlerweile 68jährig – ihr Examen erneut ablegen müssen, wozu sie sich nicht imstande fühlte. Überqualifiziert verrichtete sie einfache Assistenzarbeiten im Labor. Unter dieser Exilsituation litt sie sehr. 1953 starb sie vereinsamt. Rahel Hirsch kann als eine sehr selbstbewusste und selbstbestimmte Frau beschrieben werden, die ihre Lebenskraft ihrer Passion widmete – der Medizin. Es gelang ihr, sich in einem männlich dominierten Berufsfeld erfolgreich durchzusetzen. Ihr Karriereweg in Preußen und in Berlin kann als ein frühes, bedeutendes Beispiel weiblicher Emanzipation gewertet werden. Für ihre Vorreiterrolle, die daran erinnert, wie schwer es für Frauen vor 100 Jahren war, sich selbst zu verwirklichen.

Das Programm finden Sie hier.

Fotos: © Historische Kommission zu Berlin e.V. (Ellen Franke) & Landesarchiv Berlin (Thomas Platow)

Neuerscheinung — Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands — Band 61 (2015)

Im Juni dieses Jahres erschien Band 61 unseres Jahrbuches für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands : Wolfgang Neugebauer/Klaus Neitmann/ Uwe Schaper (Hrsg.), Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands, Bd. 61 (2015), Berlin/Boston 2016, Verlag Walter de Gruyter.

Aus dem Inhalt:

Wiederaufgefundene Quellen des Deutschen Ordens aus der Zeit des Konstanzer Konzils vorwiegend zur Auseinandersetzung mit Polen-Litauen | Aspekte der Sozialgeschichte des vorpommerschen Adels | Der Wandel der Innenausstattung der Brandenburger Pfarrkirchen vom 13. bis zum 20. Jahrhundert | Die Leichenpredigt des Berliner Propstes Philipp Jakob Spener (1634–1705) auf den kurfürstlich-brandenburgischen Kammergerichtsadvokaten und Berliner Bürgermeister Martin Friedrich Elerdt (1644–1693) | Der preußische Offizier und Berliner Theaterdichter Julius von Voß | Der Notstand von 1867/68 in Ostpreußen als Forschungsproblem | »Die Auflösung der Gutsbezirke ist also eine Frage von eminent politischem Charakter« | In einer anderen Zeit | Forschungsberichte | Nachruf | Buchbesprechungen | Zeitschriftenumschau.

24. Mai 2016 — Sitzung des Historischen Beirats

Der Historische Beirat des Regierenden Bürgermeisters tagte am 24. Mai 2016 in der Humboldt-Universität zu Berlin. Nähere Informationen zum Beirat finden Sie sowohl hier als auch auf der Website der Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten.

16. März 2016 — Sitzung des Historischen Beirats

Der Historische Beirat des Regierenden Bürgermeisters tagte am 16. März 2016 in der Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten. Nähere Informationen zum Beirat finden Sie sowohl hier als auch auf der Website der Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten.

15. März 2016 — Treffen der Herausgeber und Autoren zu Bd. 7 - Brandenburgische Geschichte in Einzeldarstellungen

Die Herausgeber sowie Autoren des Bandes 7 der Reihe Brandenburgische Geschichte in Einzeldarstellungen Das Land Brandenburg in der SBZ und frühen DDR (1945 bis 1952) trafen sich am 15. März 2016 zur weiteren Beratung über die fortschreitenden Arbeiten an dem Band.

12. März 2016 — Jahresmitgliederversammlung

Die 57. Jahresmitgliederversammlung fand am 12. März 2016 statt. Folgende neuen Mitglieder wurden kooptiert: Prof. Dr. Matthias Hardt, Prof. Dr. Danuta Janicka, Prof. Dr. Thomas Schaarschmidt.

19. Februar 2016 — Vorstandssitzung

Der Vorstand der Historischen Kommission traf sich am 19. Februar 2015 zur Vorstandssitzung.

Neuerscheinung — Baumeister – Ingenieure – Gartenarchitekten — Berlinische Lebensbilder, Bd. 11

Im Februar dieses Jahres ist Band 11 der Berlinischen Lebensbilder erschienen: Jessica Hänsel/Jörg Haspel/Christiane Salge/Kerstin Wittmann-Englert (Hrsg.), Baumeister – Ingenieure – Gartenarchitekten (Berlinische Lebensbilder, Bd. 11), Berlin 2016. Sie finden darin Beiträge zu Eosander von Göthe, Gontard, Gentz u.v.a.m. Zum Verlag und zu weiteren Informationen geht es hier.