Berlin800 als Auftrag
Berlin wird 2037 sein 800-jähriges Jubiläum feiern. Doch wie dies geschieht, ist offen.
Auf dem Weg zu Berlin800 sieht die Historische Kommission es als ihren Auftrag an, die stadtgeschichtliche Perspektive in das Jubiläum frühzeitig einzubringen – auch, um auf das zwiespältige Erbe, das diesem Jubiläum innewohnt, hinzuweisen.
Denn 1937 richteten die Nationalsozialisten erstmals eine Jahrfeier aus, indem sie sich auf die Ersterwähnung der mittelalterlichen Stadt Cölln, der Schwesterstadt Berlins, von 1237 bezogen. Sie instrumentalisierten die Feierlichkeiten im Sinne der NS-Propaganda und missbrauchten sie für die eigene Legitimierung. Vier Jahre nach der Machtübernahme spielte eine derartige Feier den auf Machtkonsolidierung bedachten Nationalsozialisten in die Hände, um den Berlinern und Berlinerinnen zu demonstrieren, wie der Umbau der einst ‚roten‘ Metropole im nationalsozialistischen Sinn ‚gelungen‘ war.
Während des Kalten Krieges wurde der historische Bezug auf 1237 erneut aufgegriffen. In der geteilten Stadt zelebrierten 1987 verschiedene Interessengruppen das 750-jährige Jubiläum sowohl in Ost- als auch in West-Berlin ganzjährig und äußerst vielfältig. Wie bereits 1937 trat auch während dieser Feierlichkeiten die tagespolitische Vereinnahmung des Jubiläums auf beiden Seiten der Mauer deutlich zu Tage.
2012 schließlich – mehr als zwanzig Jahre nach der friedlichen Wiedervereinigung – stand die 775-Jahrfeier in der freiheitlich-liberalen und demokratischen Stadtgesellschaft unter dem Motto ‚Vielfalt, Geschichte und Integration‘ – als Zeichen dafür, wie in einer multikulturellen Metropolgesellschaft verantwortungsbewusst mit der widersprüchlichen, vielfältigen und facettenreichen Geschichte umgegangen werden kann.