Historische Kommission zu Berlin Historische Kommission zu Berlin e.V.

Neuerscheinung

Jüngst ist Band 11 der Berlinischen Lebensbilder erschienen: Jessica Hänsel/Jörg Haspel/Christiane Salge/Kerstin Wittmann-Englert (Hrsg.), Baumeister – Ingenieure – Gartenarchitekten (Berlinische Lebensbilder, Bd.11), Berlin 2016. Sie finden darin Beiträge zu Eosander von Göthe, Gontard, Gentz u.v.a.m. Zum Verlag und zu weiteren Informationen geht es hier.

2. Juni 2016 — Gedenktafel-Enthüllung zu Ehren von Rahel Hirsch — 17 Uhr, Kurfürstendamm 220, 10719 Berlin

Rahel Hirsch, 1870 in Frankfurt am Main geboren, wuchs in einem intellektuellen, jüdisch orthodox geprägten Elternhaus auf und schlug zunächst die pädagogische Laufbahn ein. Nach dem Abschluss der Lehrerinnenausbildung in Wiesbaden 1889 war sie knapp zehn Jahre in der von ihrem Vater geleiteten Höheren Töchterschule als Pädagogin tätig, bevor sie 1898 – 28jährig – ihr Medizinstudium in Zürich aufnahm. Das Studienverbot für Frauen in Deutschland zwang sie dazu, die Schweiz als Studienort zu wählen. 1903 schloss sie ihr Medizinstudium in Straßburg mit der Promotion ab, um noch im gleichen Jahr an die Charité, der deutschlandweit renommiertesten Klinik und Forschungsstätte, zu gehen. Dort wirkte sie 16 Jahre in einem männlich dominierten, zuweilen militärisch geprägten Umfeld. 1908 übernahm sie eine leitende Position. Sie veröffentlichte zahlreiche Aufsätze zu verschiedenen Forschungsfeldern der Inneren Medizin. Ihre anerkennenswerten wissenschaftlichen Leistungen führten dazu, dass ihr 1913 als erste Medizinerin in Preußen der Professorentitel verliehen wurde. Eine Lehrbefugnis war damit indes nicht verbunden. 1919 schied sie aus der Charité aus. Fortan betrieb sie in Charlottenburg eine eigene Praxis. Zu dieser Zeit hatte sie sich auf die moderne Röntgentechnologie spezialisiert.

Von einem Unbekannten im Oktober 1938 gewarnt, verließ sie über Nacht Berlin und konnte somit sehr knapp ihrer Deportation entgehen. In London kam sie zunächst bei ihrer Schwester unter, konnte jedoch beruflich nicht mehr Fuß fassen. Sie hätte – mittlerweile 68jährig – ihr Examen erneut ablegen müssen, wozu sie sich nicht imstande fühlte. Überqualifiziert verrichtete sie einfache Assistenzarbeiten im Labor. Unter dieser Exilsituation litt sie sehr. 1953 starb sie vereinsamt. Rahel Hirsch kann als eine sehr selbstbewusste und selbstbestimmte Frau beschrieben werden, die ihre Lebenskraft ihrer Passion widmete – der Medizin. Es gelang ihr, sich in einem männlich dominierten Berufsfeld erfolgreich durchzusetzen. Ihr Karriereweg in Preußen und in Berlin kann als ein frühes, bedeutendes Beispiel weiblicher Emanzipation gewertet werden. Für ihre Vorreiterrolle, die daran erinnert, wie schwer es für Frauen vor 100 Jahren war, sich selbst zu verwirklichen, gebührt ihr die späte Ehrung im Rahmen des Berliner Gedenktafel-Programms.

Das Programm finden Sie hier.

1. Juli 2016 — Gedenktafel-Enthüllung zu Ehren von Ernst Fraenkel — 14 Uhr, Eschwegering 23, 12101 Berlin

Geboren und aufgewachsen in Köln studierte Fraenkel nach dem Einsatz im Ersten Weltkrieg Jura und Geschichte in Frankfurt am Main mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht. 1927 kam er nach Berlin, wo er sich rasch einen Namen als Rechtsanwalt machte und die Arbeiterbewegung als Syndikus des Deutschen Metallarbeiterverbandes unterstützte. Durch die Nationalsozialisten verfolgt, floh Fraenkel 1938 mit seiner Frau nach Chicago. Dort veröffentlichte er 1941 seine wegweisende Studie Der Doppelstaat, eine der ersten Analysen des nationalsozialistischen Staatswesens. In den folgenden Jahren arbeitete er teils als Jurist, teils als Wissenschaftler. 1951 kehrte er, zunächst in amerikanischem Auftrag, nach Berlin zurück. 1953 wurde er als Professor an die Freie Universität berufen. Dort wirkte er viele Jahre am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft und am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien. Für seine herausragenden Verdienste wurden Ernst Fraenkel unter anderem das Große Bundesverdienstkreuz und die Berliner Verdienstmedaille verliehen.

Das Programm finden Sie hier.

8. Juli 2016 — Vorstandssitzung — 14 Uhr, Brandenburgisches Landeshauptarchiv

Der Vorstand der Historischen Kommission trifft sich am 8. Juli 2016, 14 Uhr erneut zur Vorstandssitzung. Die Sitzung wird im Brandenburgischen Landeshauptarchiv stattfinden.

14. Juli 2016 — Gedenktafel-Enthüllung zu Ehren von Margarete & Franz Oppenheim — 16 Uhr, Zum Heckeshorn 38, 14109 Berlin

Das Landhaus Oppenheim, zunächst 1907/08 als Sommerdomizil für die Familie von Franz Oppenheim errichtet, durchlebte eine wechselvolle Geschichte. Es spiegelt pars pro toto die schicksalhaften Wendungen der deutschen Geschichte wider. Der Geheime Regierungsrat Dr.-Ing. h. c. Franz Oppenheim, in der chemischen Industrie u. a. als Generaldirektor der Agfa tätig, erbaute das Landhaus für sich und seine zweite Ehefrau Margarete. Als Architekten verpflichtete er keinen Geringeren als Alfred Messel, den äußerst erfolgreichen und in Berlin sehr produktiven Baumeister, quasi einen der Stararchitekten der Jahrhundertwende. Hier in Wannsee verbrachte die Familie die Sommermonate und genoss abgeschieden vom Großstadttrubel die ländliche Idylle. Margarete Oppenheim erlangte als Kunstsammlerin einen erstklassigen Ruf und gemeinsam mit dem Kunsthändler, Paul Cassirer als Berater, trug sie im Landhaus eine bedeutende Sammlung zeitgenössischer Kunst zusammen. Der Schwerpunkt lag hierbei auf Werken des französischen Impressionismus (u. a. van Gogh, Manet und Cézanne). Zugleich wurde das Anwesen eine vitale und beliebte Begegnungsstätte von Künstlern, Galeristen und Wissenschaftlern; Albert Einstein und Max Liebermann gingen hier ein und aus. Kurzum: die Familie führte am Wannsee ein großbürgerliches Leben auf hohem kulturellem und gesellschaftlichem Niveau. Die Malerin Vita Petersen (1915-2011), Oppenheims Enkelin, wuchs hier auf. Nach 1934 verkauften die Erben der Oppenheims, Martha von Simson und Kurt Oppenheim, das Haus samt dem Grundstück, auf dem sich ein ausgedehnter und landschaftlich reizvoll gestalteter Garten erstreckte. Ab 1937 wurden verschiedene NS-Forschungseinrichtungen auf dem Gelände untergebracht, die u. a. den Vernichtungskrieg im Osten "wissenschaftlich" vorbereiteten und legitimierten. Nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergte das unzerstörte Gebäude zunächst ein Reservelazarett. Später wurde das Krankenhaus Wannsee dort betrieben. 25 Jahre lang diente es als Drogentherapiezentrum. Seit 1983 steht das Gebäude unter Denkmalschutz, der Garten hingegen wurde durch mehrstöckige Wohnhäuser weitgehend überbaut. Seit 2008 werden die Räumlichkeiten durch die Internationale Montessorischule und das Montessori-Kinderhaus am Wannsee genutzt.

Mit dieser Gedenktafel ehrt das Land Berlin eine großbürgerliche Familie und deren Landhaus, das in der NS-Zeit von den Nationalsozialisten missbraucht und zweckentfremdet wurde. Wie in der gesamten Stadt zerstörten die Nationalsozialisten auch hier die kulturelle Vielfalt Berlins und zwangen wohlverdiente Mitbürger ins Exil, in den Freitod oder in die Deportation. Die Erben des Bauherrn verließen Deutschland, um der Barbarei zu entfliehen. Die Gedenktafel erinnert an die Glanzzeit des Gebäudes und mahnt die Aufrechterhaltung von kultureller, gesellschaftlicher und religiöser Vielfalt an.

1. August 2016 — Gedenktafel-Enthüllung zu Ehren von Heinrich Finkelstein — 15 Uhr, Reinickendorfer Straße 61, 13347 Berlin

1865 in Leipzig geboren, studierte er zunächst Geologie in München und wandte sich ab 1888 einem Studium der Medizin in seiner Heimatstadt Leipzig zu. 1892 zum Doktor der Medizin promoviert, war er ab 1894 in der Berliner Charité als Assistent tätig und habilitierte sich 1899 mit einer Arbeit Über Mittelohrentzündung bei Säuglingen. 1918 übernahm er die Leitung des Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhauses als Ärztlicher Direktor und wirkte dort bis zu seiner Emeritierung am 1. März 1933. Heinrich Finkelstein verband in seiner beruflichen Karriere die praktische Tätigkeit als Kinderarzt äußerst erfolgreich mit der wissenschaftlichen Forschung. Unzählige Publikationen entsprangen seiner Feder, darunter das Lehrbuch für Säuglingskrankheiten, das zum Standardwerk wurde und in mehreren Auflagen – auch im Ausland – erschien. Es vermittelte Generationen von Kinderärzten Fachwissen. Als Jude im Kaiserreich sowie in der Weimarer Republik diskriminiert, war ihm die Ernennung zum Ordentlichen Professor verwehrt. Mit dem Beginn der Nazi-Diktatur erschwerte sich auch für Heinrich Finkelstein jegliche Berufsausübung; 1934 wurde ihm die Kassenzulassung entzogen und 1936 die Lehrbefugnis aberkannt. Doch Heinrich Finkelstein hatte sich sowohl in Deutschland als auch im Ausland aufgrund seiner fachlichen Kompetenz großes Ansehen erworben. Bedingt auch durch die ausländischen Karrieren einiger seiner Schüler erhielt er mehrere Einladungen ins Ausland, 1936/37 war er an der University of Chicago zu Gast. 1939 schließlich floh er vor dem Terror der Nationalsozialisten mit seiner Schwester Charlotte nach Chile, wo er im Januar 1942 verstarb. Heinrich Finkelstein war über Deutschland hinaus einer der großen Kinderärzte seiner Zeit und noch nach seinem Tode beeinflussten seine Werke die Kinderheilkunde.

11. September 2016 — Tag der offenen Tür

Die Historische Kommission veranstaltet gemeinsam mit dem Zentrum Moderner Orient am 11. September 2016 wieder einen Tag der offenen Tür. Das Programm wird wieder vielfältig sein und das weite sowie spannende Feld „Migration“ thematisieren. Neben wissenschaftlichen Vorträgen und Führungen durch den Mittelhof wird es ein Konzert geben. Für unsere kleinen Gäste gestalten wir einen bunten Nachmittag mit Spielen, Malen und Tanz. Das Programm – an dem wir gerade arbeiten – finden Sie dann wie gewohnt auf diesen Seiten.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch in Nikolassee!

4. November 2016 — 3. Nachwuchsworkshop des Netzwerks HiKo_21

Im Herbst 2016 wird es erneut einen quellenseitigen Workshop geben - mit dem Arbeitstitel "Historische Karten". Die Planungen laufen und Einzelheiten finden Sie bald auf dieser Seite.

25. März 2017 — 58. Jahresmitgliederversammlung — Vortragssaal

Die 58. Jahresmitgliederversammlung findet am 25. März 2017 um 10 Uhr im Vortragssaal im Mittelhof (Kirchweg 33) statt. Alle Mitglieder der Historischen Kommission zu Berlin sind sehr herzlich eingeladen!

Weitere Termine, Veranstaltungen und Hinweise

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Archivführung

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Beginn:
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Forschungscolloquium

Lutz Partenheimer: 1216—2016: 800 Jahre Ersterwähnung von zehn brandenburgischen Städten

Beginn:
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Forschungscolloquium

Knut Schulz: Der Brief für die Berliner Tuchmacherknappen von 1331 im Vergleich mit der Ordnung der...

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Forschungscolloquium

Gerald Grajcarek: Die Eremitage im Potsdamer Neuen Garten (1796). Ein Kleinod preußischer...

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Di, 17.Mai.2016 um 18:00
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Sitzung des Historischen Beirats des Regierenden Bürgermeisters

Der Historische Beirat des Regierenden Bürgermeisters trifft sich zu seiner nächsten Sitzung am 24....

Beginn:
Di, 24.Mai.2016 um 15:00
Ende:
Di, 24.Mai.2016 um 17:00

Forschungscolloquium

Eberhard Völker: Am Marienviertel in Berlin-Mitte. Außergewöhnliche Erkenntnisse im Spiegel...

Beginn:
Di, 24.Mai.2016 um 18:00
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Forschungscolloquium

Antje Nolte: Der Heringshandel und das Münzwesen Berlins im 14. Jahrhundert

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Di, 31.Mai.2016 um 20:00