Historische Kommission zu Berlin

Das spätslawische Zentrum an der Lieps bei Neubrandenburg

Der Südteil des Tollensesees und die anschließende Lieps gehören zu den Regionen, in denen Rethra, das in den Schriftquellen erwähnte zentrale Heiligtum des Lutizenbundes, lokalisiert wurde. Intensive archäologische Forschungen führten zur Entdeckung eines frühstädtischen Zentrums der Zeit nach 1000, das tiefere Einblicke in die soziale und wirtschaftliche Struktur der letzten selbstständigen Slawen auf dem Gebiet des heutigen Nordostdeutschland gestattet. Seine zentralen Funktionen waren auf verschiedene Inseln verteilt: Herrschaft, Schutz und Kult für die Führungsschicht waren auf dem Hanfwerder in der Lieps lokalisiert, zugehörig waren der Bestattungsplatz am gegenüberliegenden Ufer bei Usadel und eine Dienstsiedlung auf dem Kietzwerder. Die Fischerinsel im südlichen Tollensesee diente als Standort für Handel und Handwerk/Gewerbe sowie als allgemein zugänglicher Kultplatz. Zweifellos handelte es sich um ein sehr bedeutendes Zentrum des Lutizenbundes, die angenommene Identifizierung mit dessen zentralem Heiligtum Rethra ist jedoch nicht haltbar.

Das Land Stargard gehörte von 1236 bis zwischen 1308 und 1315/16 zur Mark Brandenburg; dies rechtfertigt die Aufnahme des Zentrums an der Lieps in diese Quellensammlung.